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21.11.2001

Information des IHO zu Desinfektionsmaßnahmen bei Verdacht auf Milzbranderreger

Beim Verdacht auf bioterroristische Anschläge mit Milzbranderregern geraten Behörden, betroffene Beschäftigte, Rettungskräfte und Medien und damit auch die breite Öffentlichkeit in begreifliche Aufregung. Wir verurteilen aufs Schärfste jede Art von tatsächlichem oder vorgetäuschtem Angriff auf Einrichtungen unserer Zivilisation, insbesondere solche, auf deren Funktionieren wir uns für das tägliche Leben verlassen können müssen.

Besonnenheit und sorgfältige Vorbereitung aller Beschäftigten in möglicherweise betroffenen Institutionen sind daher oberstes Gebot der Stunde. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat hierzu umfangreiche Informationen auf seiner Website (www.rki.de) ins Internet gestellt.

Der Milzbranderreger kann sowohl als vegetatives, d.h. lebendes Bakterium vorkommen, als auch in der Dauerform als Sporen, die nicht stoffwechseln und daher auch gegen Desinfektionsmaßnahmen sehr robust sind.

Zur Desinfektion von vegetativen Bakterienformen sind Desinfektionsmittel des Wirkspektrums A nach RKI-Definition ausreichend. Für diesen Wirkungsbereich geprüfte und gelistete Desinfektionsmittel finden sich in der RKI-Liste. Für den zur Abtötung von Sporen notwendigen Wirkungsbereich C sind in der RKI-Liste nur physikalische Methoden (Abkochen, Dampfsterilisation oder Verbrennen) genannt.

Zu den Desinfektionsmaßnahmen empfiehlt das RKI im einzelnen:

  • Sichergestellte, möglicherweise mit Milzbranderregern kontaminierte Gegenstände, Geräte und Schutzanzüge sollten mit Dampf sterilisiert, verbrannt oder durch Begasung mit Ethylenoxid oder Formalin sterilisiert werden.
  • Zur Desinfektion von Oberflächen wird 1 % Peressigsäure (30 Minuten Einwirkzeit) oder 10 % Formaldehyd (2 Stunden Einwirkzeit) empfohlen.
  • Zur Händehygiene wird das Tragen von Handschuhen empfohlen. Zur Händedekontamination wird gründliches Händewaschen und anschließende Desinfektion mit 0,2 % Peressigsäure (2 mal 1 Minute Einwirkzeit) und anschließende Flächendesinfektion des Waschbeckens empfohlen.


Zwischen den in der RKI-Liste genannten Wirksamkeitsbereichen und den zitierten Empfehlungen zur Seuchenhygiene sind Widersprüche festzustellen. Es gibt heute mehrere Desinfektionsmittel, deren sporizide Wirkung nachgewiesen ist und die sich in praktikablen Konzentrationen und Einwirkzeiten anwenden lassen. Die vom RKI empfohlenen Substanzen standen zudem in der Vergangenheit immer wieder in kritischer öffentlicher Diskussion. Bedenken Sie: Der menschliche Körper verarbeitet in seinem Stoffwechsel täglich 4,5 g Formaldehyd, und zwar so rasch, dass im Körper kaum messbare und gesundheitlich nicht wirksame Konzentrationen erreicht werden. Zur Peressigsäure empfiehlt der IHO aus Sicherheitsgründen, Präparate mit max. 15 % Wirkstoffkonzentration und auch bei sehr großem Bedarf nicht in Gebinden über 220 Liter Volumen zu beschaffen. Bei der Dekontamination von Gegenständen (Computer, Maschinen, etc.) ist die korrodierende Wirkung der Essigsäure zu bedenken. Zu bedenken ist ferner, dass sich die RKI – Empfehlung auf die Aktivsubstanzkonzentration bezieht. Zur korrekten Bereitung der Anwendungslösung sind Angaben des Desinfektionsmittelherstellers sowohl zum Aktivsubstanzgehalt als auch zur Mindesthaltbarkeit notwendig.

Empfehlung des IHO: Der IHO verweist auf die Empfehlungen des RKI und bezüglich Kleidung auf die Empfehlungen der wfk Krefeld. Soweit praktisch möglich, sollten möglicherweise kontaminierte Räume, Gegen­stände, Schutzanzüge, Arbeitskleidung und andere Kleidungsstücke bis zum Ausschluß des Milzbrandverdachts versiegelt werden. In bestimmten Situationen ist eine chemische Desinfektion von Flächen und Gegenständen, ggf. auch Hautpartien unverzichtbar, um schwere Krankheiten zu vermeiden. Die vom RKI genannten Wirkstoffe können ebenso wie weitere Desinfektionsmittel angewendet werden, die Nennung einer bestimmten Marke ist nicht sinnvoll. Zu speziellen Anwendungsfragen sollten die Hersteller von Desinfektionsmitteln befragt werden.