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03.12.2003

Reinigungsmittelhersteller: Dienstleister im globalen Wettbewerb am Standort Deutschland

Anlässlich der Mitgliederversammlung des Industrieverbandes Hygiene und Oberflächenschutz (IHO) legte der Vorsitzende, Dr. Schilp (DiverseyLever) dar, dass Deutschland in der Europäischen Union der bei weitem größte Markt für Werterhaltung und Hygiene mit hohen Anforderungen an Umweltschutz und Verbrauchersicherheit sei und somit eine starke Ausgangsbasis für lokale und globale Tätigkeit darstelle. Die Mitgliedsfirmen des IHO haben sich auf chemische Produkte und Dienstleistungen spezialisiert, die es ihren Kunden ermöglichen, hochwertige, sichere und preisgünstige Erzeugnisse anzubieten. Als Teil einer vielgliedrigen Wertschöpfungskette hängen die Marktchancen der Mitgliedsfirmen am Standort Deutschland aber auch davon ab, ob die Herstellungsprozesse der Kunden hier erfolgen und damit verbundene Dienstleistungen nachgefragt werden.

Wie Dr. Schilp berichtete, haben die Mitgliedsfirmen des IHO im Jahr 2000 den Vorjahresumsatz von 1,2 Milliarden DM nur annähernd erreicht. In allen Fachbereichen gingen die Marktpreise zurück. Nur die Fachbereiche Metallindustrie und Technische Reinigung sowie Ernährungsindustrie verzeichneten Mengenzunahmen von wenigen Prozent. Die Ausweitung des Geschäfts großer Nachfrager wie z.B. der Automobilindustrie wurde durch starke Effizienzbemühungen und hohen Preisdruck weitgehend ausbalanciert. Entsprechendes bedeutet für den Bereich Wäschereitechnik die starke europäische Konzentration der Wäschereidienstleister.

Im vergangenen Jahr waren Kostensteigerungen vor allem durch gestiegene Rohstoffpreise und Verpackungsentsorgung zu verkraften. Dies machte in vielen Firmen Einsparungsmaßnahmen, zum Teil auch im personellen Bereich notwendig, so dass per Saldo die Zahl der Beschäftigten weiterhin rückläufig war. Der Aufwand für die Umsetzung von Vorschriften und Behördenanforderungen nahm weiter zu, der für die vorwiegend kleinen und mittelständischen Mitgliedsfirmen ohnehin überproportional hoch ist. Auch der Aufwand für Service und Vertrieb nahm zu, denn die Firmen begegneten Kostendruck und Markttrends mit Innovationen insbesondere im Service, z.B. Management - Informationssystemen und anwenderfreundlichen Dosiergeräten.

Dr. Schilp ging ferner auf den "Wettbewerb der Rahmenbedingungen" ein, der ebenfalls im Rahmen der Globalisierung transparenter und schwieriger wird. Die wichtigste Herausforderung für die Mitgliedsfirmen des IHO stellt die Umsetzung der EU Biozidprodukterichtlinie dar. Für jeden Biozidwirkstoff ist ein Aufwand von mehreren Millionen DM notwendig, für jedes Biozidprodukt können einige hunderttausend DM Zulassungskosten anfallen. Es ist zu vermuten, dass nicht alle Wirkstoffe und Produkte angesichts des zum Teil sehr kleinen Wirtschaftsvolumens von den Herstellern unterstützt werden können. Welche dies sein werden, ist jedoch offen.

Bereits jetzt sind umfangreiche Datensätze vorzulegen, während die Bewertungen noch viele Jahre auf sich warten lassen werden und die Aussichten auf Zulassung völlig offen sind. Großer finanzieller Aufwand, der über lange Zeit vorfinanziert werden muss, bei gleichzeitig nicht abschätzbaren Erfolgsaussichten bedeutet jedoch ein erhebliches unternehmerisches Risiko. Besonders benachteiligt sind kleine und mittelständische Unternehmen, denen der Marktzutritt durch die gesetzlich auferlegten Kosten verwehrt wird. Es sei das Ziel des IHO, so Dr. Schilp, dennoch für alle Einsatzgebiete die notwendigen Biozidprodukte weiterhin sicherzustellen.

Bedeutsam für die gesamte Wirtschaft ist die Absicht der EU-Kommission, die europäische Chemikalienpolitik neu zu strukturieren. Hierzu wurde im Februar 2001 das Weißbuch "Chemikalienpolitik" präsentiert. Datensammlung und Bewertung von alten und neuen Stoffen sollen europaweit einheitlich geregelt und beschleunigt werden. Auch Formulierer und Weiterverarbeiter von chemischen Produkten sollen in die Pflicht genommen werden, weitere notwendige Daten - insbesondere Expositionsinformationen - über ihre Produkte bereitzustellen.

Die Ermittlung der Exposition ist mit sehr hohen Kosten verbunden, die den ohnehin hohen Aufwand für die Wirkdaten übersteigen können. Um diese Kosten finanzieren zu können, wären drastisch höhere Preise notwendig. Einen Marktvorteil hätten Hersteller, die sich nicht am Datenaufwand beteiligen. Dies gilt insbesondere gegenüber Produkten und Erzeugnissen aus Ländern außerhalb der EU.

Daher ist es unbedingt notwendig, nach Produktionsmenge und Anwendung abgestufte Datenanforderungen festzulegen, Eigentumsrechte an den erzeugten Daten zu gewähren, die Erfüllung der Meldepflichten europaweit einheitlich umzusetzen und vor allen Dingen zu sanktionieren. Die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der verantwortlich handelnden Hersteller, insbesondere der kleinen und mittelständischen Unternehmen, muss gewährleistet sein.

In seinem Ausblick wies Dr. Schilp darauf hin, dass die Erfüllung der berechtigten hohen Ansprüche an Sicherheit und Information im internationalen Wettbewerb am Standort Deutschland große wirtschaftliche Auswirkungen haben wird. Von der Politik muß gefordert werden, faire und erfüllbare Rahmenbedingungen zu setzen. Letztlich wird es der Industrie überlassen bleiben, den Verbraucher zu überzeugen, den hohen Aufwand auch zu bezahlen. Dies vorausgesetzt, könne die Umsetzung einer sachgerechten Chemikalienpolitik auch einen großen Beschäftigungsimpuls für Fachleute in unserer Branche bedeuten.

Den Festvortrag im Anschluss an die Mitgliederversammlung hielt in diesem Jahr Prof. Dr. Dr. Radermacher, Forschungsinstitut für Angewandte Wirtschaftsforschung, Universität Ulm. In seinem Vortrag zum Thema "Globaler Wettbewerb und Standort Deutschland" zeigte er Herausforderungen und Chancen durch den globalen Wettbewerb für die Mitgliedsfirmen auf und gab wichtige Hintergrundinformationen und Anregungen dazu, wie sie genutzt werden können.