26.04.2002
Wegwerfgesellschaft ade: Reinigung und Desinfektion sind Voraussetzung für Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung
10 Jahre IHO – Hygiene und Oberflächenschutz im Dienste der Gesellschaft
Berlin
Verantwortung und Leistung der Branche für Verbraucherschutz, Hygiene und Werterhalt stehen im Mittelpunkt der Jubiläums- Mitgliederversammlung am 26. April 2002 in Berlin.
Unsere Gesellschaft verlangt nachhaltiges Wirtschaften. Dazu ist die Schonung der Ressourcen für kommende Generationen Voraussetzung. Abkehr von der Wegwerfgesellschaft, hin zu Wiederverwendung! Dies wird durch Reinigung, Desinfektion und Pflege erreicht. Produkte und Systeme unserer Branche ermöglichen Wiederverwendung von Mehrwegflaschen bis hin zu hochempfindlichen medizinischen Instrumenten – gleichzeitig rückstands- und keimfrei - und erhöhen die Nutzungsdauer von Produktionsanlagen und öffentlichen Gebäuden. Haltbare, sauber hergestellte Lebensmittel verderben nicht so schnell und schützen die Gesundheit des Verbrauchers.
Dr. Ulrich Schilp, der Vorsitzende des Verbandes betont deshalb, dass es künftig noch stärker notwendig sei, die Leistungen der Branche für Hygiene, Werterhalt und Verbraucherschutz bekannt zu machen. Nachhaltiges Wirtschaften beruht auf gleichwertiger Berücksichtigung der drei Säulen Umwelt, Wirtschaft und Soziales. Gerade der Nutzen für die Gesellschaft wird durch die Produkte und Dienstleistungen unserer Mitgliedsfirmen beispielhaft erfüllt. „Automobil- und Maschinenbau, Brauerei und Milchverarbeitung, Hotel und Krankenhaus, Massenverpflegung und Gebäudereinigung kommen ohne unseren Beitrag nicht aus“, so Dr. Schilp.
Dabei ermöglicht ein kleiner Aufwand an Chemie eine große Wirkung für Sicherheit, Umweltschutz und Arbeitserleichterung. Dr. Schilp appelliert deshalb an die Gesellschaft: „Das Bewusstsein über unsere Leistungen ist Voraussetzung dafür, dass die Diskussion um Sicherheit, Kontrolle und Nutzen der Chemie ausgewogen geführt werden kann“.
Zu Beginn der Festveranstaltung gibt Dr. Schilp einen Überblick über die Entwicklung des Verbandes. „Mit der Gründung des IHO wurde die Branchendefinition geschaffen. In einem rückläufigen Markt haben wir einen immer größeren Anteil zusammengefasst – derzeit sind es 40 Mitgliedsfirmen - und gemeinsam ein hohes Niveau an Sicherheit und Hilfestellung für die Anwender erreicht.“
Die veränderte Weltwirtschaft und zurückgehende Wirtschaftsleistung in Deutschland wirken sich auch auf die Firmen des IHO aus. Produktionsverlagerungen ins Ausland und Rationalisierungsdruck halten an. Die Entwicklung in den Teilmärkten (Großküche, Gebäudereinigung einschließlich medizinische Hygiene, Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung, Metallindustrie und technische Reinigung, Wäschereiindustrie) und der einzelnen Mitgliedsfirmen verlief unterschiedlich. Per Saldo sei es dem IHO gelungen, den Branchenumsatz zu halten. Im vergangenen Jahr waren es 614 Mio. EURO.
Wegen des hohen Personalaufwandes für Service und Vertrieb liegt die Beschäftigtenzahl trotz des Rationalisierungsdrucks konstant bei ca. 3.200. Für Forschung und Entwicklung werden im Durchschnitt 2% der Umsätze aufgewendet, dies ist für unsere anwendungsorientierte Branche typisch. Der Exportanteil liegt im Verbandsdurchschnitt mit steigender Tendenz derzeit bei ca.15%. Einige Firmen wickeln das Auslandsgeschäft über eigenständige Niederlassungen ab. Die Konzentration auf den Heimatmarkt bedeutet, dass in unserer Branche Einbußen im Inlandsgeschäft kaum durch stärkere Auslandsmärkte ausgeglichen werden.
Für die Zukunft erwartet Dr. Schilp verhaltenes Marktwachstum durch Strukturwandel: „Unsere Branche ist schon stark dienstleistungsorientiert. Die Firmen bauen die hohe Qualität in Systemangeboten kontinuierlich weiter aus und erschließen sich so neue Geschäftsfelder. Hohe Aufwendungen für Schulung, Service und Systemdienstleistung belegen dies.“
Um die hohen Qualitätsstandards im Bereich Hygiene für die Anwender transparenter zu gestalten, sind die Mitgliedsfirmen fast vollzählig nach DIN ISO 9000 ff zertifiziert, einige auch nach DIN ISO 14000 ff., EMAS I oder EMAS II. „Diese Standards sind wichtige Instrumente für einen aktiven Verbraucherschutz“, so Dr. Walter Gekeler, Geschäftsführer des Verbandes.
Für eine international tätige Branche gelten auch internationale Rahmenbedingungen. Deutlich wird, dass gesetzliche Vorschriften immer mehr in Brüssel formuliert werden. Diese erlangen als EU – Verordnungen direkte Gültigkeit im deutschen Gesetz. „Das bereitet uns nicht immer Freude, auch wenn dadurch mehr Harmonisierung erreicht wird“, erläutert Dr. Schilp.
Von enormer Bedeutung sei die neue europäische Chemikalienpolitik. Als Weiterverarbeiter von Chemikalien werden die Mitgliedsunternehmen in die Pflicht genommen, ebenso wie Rohstoffhersteller Prüfdaten und Informationen über die Verwendung von Stoffen beizutragen. Das sei angesichts der sehr vielfältigen Weiterverwendung eine höchst komplexe Aufgabe.
Eine große Herausforderung für die Mitgliedsfirmen des IHO, so Dr. Schilp, stellt die Umsetzung der EU - Biozidprodukterichtlinie dar. In deren Rahmen werden alle Desinfektionsmittel einem Zulassungsverfahren unterworfen. Die dafür anfallenden Prüfkosten und Gebühren schöpfen die eigentlich für die Innovation benötigten Mittel ab. Gesundheitsschutz wird dadurch benachteiligt und für die Anwender teurer.
Als Höhepunkt und Abschluss der Mitgliederversammlung hält in Vertretung von Frau Bundesministerin Künast der parlamentarische Staatssekretär, Herr Matthias Berninger den Festvortrag zum Thema „Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz“. Er betont die große Verantwortung der Beteiligten und erläutert aktuelle Gesetzgebungsvorhaben. Besonders wichtig: das Verbraucherinformationsgesetz und die Neuordnung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes.
