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31.05.2010

Warum Phosphate unverzichtbar für gewerbliche maschinelle Geschirrspülmittel (MGSM) sind

Einleitung

Im Zusammenhang mit den Abkommen zur Reinhaltung der Ostsee oder der Donau wurden Forderungen laut, über eine Änderung der europäischen Detergenzienverordnung  die Verwendung von Phosphaten in Wasch- und Reinigungsmittel noch stärker zu beschränken oder gar gänzlich zu verbieten. Damit soll eine der Quellen für den unerwünschten Phosphateintrag in Gewässer  ausgeschaltet werden. Unter ungünstigen Bedingungen kann der Pflanzennährstoff Phosphat  Algen zu unmäßigem Wachstum, einer sogenannten Algenblüte, anregen, so dass die Gewässerqualität und damit das Ökosystem Schaden in Richtung Eutrophierung nehmen können. Phosphatersatzstoffe sollen dabei die Aufgaben des Phosphats in den Reinigungsmitteln ersetzen können. Bei den Haushaltstextilwaschmitteln wurden  im vergangenen Jahrzehnt dazu Zeolithe mit großem Erfolg eingesetzt. Ein Phosphatverbot erscheint deshalb für Haushaltstextilwaschmittel sinnvoll und zeitgemäß.  Für maschinelle gewerbliche Reinigungsmittel (MGSM), die in speziellen Profi-Maschinen verwendet werden, ist ein Phosphatverbot jedoch derzeit weder zielfüh-rend noch durchführbar.

  1. Warum Zeolithe nicht in Maschinengeschirrspülmitteln verwendbar sind
    Es gibt große technische Unterschiede zwischen Waschmaschinen und  Ge-schirrspülmaschinen bis hin zu gewerblichen Großspülanlagen. Der von Haus-haltstextilwaschmitteln bekannte Ersatzstoff Zeolith ist in Reinigungsmitteln für Geschirrspülmaschinen nicht verwendbar. Einer der Hauptgründe dafür ist die gänzlich unterschiedliche Dosiertechnik. Die nicht wasserlöslichen Zeolithe wür-den zu Verstopfungen von Pumpen und Leitungen sowie zur kontinuierlichen Verschlammungen der Geschirrspülflotte führen. Ohnehin wären Zeolithe nur in Pulverprodukten, nicht aber in flüssigen Formulierungen einsetzbar.
  2. Warum keiner der anderen bekannten sonstigen Phosphatersatzstoffe in gewerblichen MGSM Phosphat allein ersetzen kann
    Phosphate erfüllen in den Reinigungsmitteln gleichzeitig zwei ganz verschiedene Aufgaben: Sie reinigen und sie enthärten. Keiner der derzeitigen potenziellen Er-satzstoffe kann dies allein leisten, schon gar nicht unter „Zeitnot“, wie sie immer im Profibereich vorliegt, oder in Kombination mit Bleichmitteln, wie sie insbesondere im Profibereich unverzichtbar sind. Zusätzlich sind die Leistungsanforderungen im Profibereich erheblich  schärfer als im Privathaushalt und  durch Normen vorgegeben (u.a. DIN 10510-10512).
  3. Warum durch ein Phosphatverbot in gewerblichen Waschmittel oder Ma-schinengeschirrspülmitteln das politische Ziel, eine Eutrophierung der Ge-wässer zu verhindern, nicht erreicht würde
    Phosphate, die ja ein natürlicher Baustein allen Lebens sind und ein wichtiger Nahrungsbestandteil, gelangen in Europa aus verschiedensten Quellen in die Gewässer: Etwa 50-60 % entstammen tierischen und menschlichen Fäkalien. Etwa 16 % kommen von den Feldern und Wiesen über abgeschwemmten Mine-raldünger, etwa 9 % aus natürlichen Quellen. Der Eintrag von Phosphat aus Detergenzien ist laut diversen Quellen maximal 10 %. Darin sind aber sowohl Haushaltswasch- und Reinigungsmittel als auch gewerbliche Produkte enthalten. Letztlich wird der Eintrag aus gewerblichen Maschinengeschirrspülmitteln auf un-ter 1 % geschätzt. Der Eintrag von Phosphaten  aus professionellen MGSM und Waschmitteln in die Umwelt ist demnach im Vergleich zu anderen Quellen unbe-deutend. 
  4. Phosphat ist toxikologisch und ökotoxikologisch unbedenklich
    Wie bereits oben erwähnt, ist Phosphat bzw. das darin enthaltene Element Phos-phor (P) ein wichtiger Bestandteil allen Lebens. Es wird u.a. für den Energiestoff-wechsel benötigt, für den Aufbau des genetischen Materials (Nukleinsäure) sowie für die Knochen. Abgesehen davon, dass unter ungünstigen Rahmenbedingungen ein Zuviel an Phosphat in Gewässern, insbesondere in stehenden Gewässern, zu einer Eutrophierung führen kann, sind Phosphate weder schädlich für die menschliche Gesundheit noch für die Lebewesen in der Umwelt. Keiner der Phosphatersatzstoffe weist in dieser Hinsicht die gleiche Unbedenklichkeit auf oder ist bislang in seinen Langzeitwirkungen ähnlich gut untersucht.


Literatur
1) Green Planet Research and INIA (Spanish National Institute for Agricultural and Food Research and Technology) for CEEP and European Union Scientific Committee on Health and Environmental Risks (SCHER). SCHER: Model validation using the wfd inter-calibration data, model re-calibration, and pan-european assessment of the eutrophication risk associated to the use of phosphates in detergents (http://ec.europa.eu/enterprise/chemicals/legislation/detergents/index_en.htm.
2) J. Köhler: Detergent Phosphates: an EU Policy Assessment, Journal of Business Chemi-stry, 20064. 
3) T. Wind: Detergent phosphates and their environmental relevance in future European perspectives, Tenside Surf. Det. 44 (2007), 19-24
4) DIN 10510 Lebensmittelhygiene - Gewerbliches Geschirrspülen mit Mehrtank-Transportgeschirrspülmaschinen - Hygienische Anforderungen, Verfahrensprüfung.
Food hygiene - Commercial dishwashing with multitank-transportdishwashers - Hygiene requirements, procedure testing,2008
5) DIN 10512 Lebensmittelhygiene - Gewerbliches Geschirrspülen mit Eintank-Geschirrspülmaschinen - Hygienische Anforderungen, Typprüfung. Food hygiene - Com-mercial dishwashing with onetank-dishwashers - Hygiene requirements, type testing,2008

 

31.05.2010

Why phosphates are indispensable for professional automatic dish washing (industrial and institutional - IIP)

2010-05-31-phosphatverteidigung-engl.pdf

Diese Datei enthält die englische Fassung unserer Stellungnahme zu Phosphat.

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